Zwei Stunden Gespräch zwischen Daniel Jung und Prof. Dr. Christian Bauckhage, Chief Scientist am Fraunhofer IAIS und Co-Direktor des Lamarr-Instituts. Es geht um den Stand der KI im Jahr 2026 – und darum, warum wir erst am Anfang stehen. Bauckhage rechnet vor: Die Grösse der neuronalen Netze verdoppelt sich seit 2016 jedes Jahr. Um 2030 erreichen sie die Komplexität des menschlichen Gehirns. Die Prognose hält seit zehn Jahren.
Ein paar Zahlen aus dem Gespräch sind bei mir hängen geblieben. AlphaFold entschlüsselte in fünf Jahren 200 Millionen Molekülstrukturen – die Menschheit schaffte davor 200’000 in siebzig Jahren. Eine KI widerlegte eine Erdős-Vermutung, an der Mathematiker 80 Jahre lang scheiterten. Und Bauckhages Übungsblätter, ausgelegt auf zwei Tage Teamarbeit von Masterstudierenden, löst ein KI-Agent in 17 Minuten fehlerfrei. Dazu kommen die Fragen, die daraus folgen: für KMU, für die Ausbildung, für Europa.
Warum man das komplett schauen sollte, am besten zweimal: Hier spricht kein Verkäufer und kein Untergangsprophet, sondern ein Wissenschaftler, der die Technologie seit Jahrzehnten von innen kennt – und trotzdem sagt, die Entwicklung lasse ihn nachts nicht schlafen. Sein Kernsatz: «Ja, aber» ist vorbei. Jeder Einwand gegen KI hat sich in den letzten zwei Jahren jeweils drei Monate später erledigt. Wer verstehen will, was gerade passiert, bekommt hier die Argumente – belegt statt behauptet.




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